
Therapiezentrum HOME4MOTION bot in Kooperation mit gemeinnützigen Organisationen kostenlose ein- bis zweiwöchige physiotherapeutische Intensivtherapien für Kinder und Jugendliche an.
In den Weihnachtsferien von 27. Dezember 2022 bis 6. Jänner 2023 war die Therapieeinrichtung HOME4MOTION in Graz von Kinderlachen geprägt. Acht Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und 19 Jahren mit unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Infantile Cerebralparese (ICP), Querschnittlähmung, Bewegungseinschränkungen, Spastik und Lähmungen verschiedener Körperteile nahmen an einer für sie kostenlosen physiotherapeutischen Intensivtherapie teil. Diese wurden durch großzügige Spenden von den Vereinen „freiraum-europa“, „Licht für Kinder“ und „Iron Road for Children“ finanziert. Und die Therapien waren sehr erfolgreich: am Ende der Intensivtherapie konnten alle Kinder & Jugendlichen größere und kleinere Erfolge bzw. motorische Verbesserungen erzielen.Robotikunterstütze Therapie
„Die Geräte schaffen es Kinder perfekt abzuholen und sie zum Trainieren zu animieren, ohne dass die Übung uninteressant wird“, erzählt Martin Weißensteiner, Gründer und Physiotherapeut bei HOME4MOTION.



Johannes









Einschränkungen
Elias
Elias ist beinahe 8 Jahre alt und hat aufgrund einer Frühgeburt eine beinbetonte spastische Parese. Er kann frei gehen und ist bei allen Lagewechseln vom Boden zum Stand selbstständig. Beim Gehen weist Elias aufgrund der spastischen Parese in den Beinen einen Spitzfußgang sowie eine verstärkte Beugung in Knie und Hüfte auf. Bereits im Herbst 2022 absolvierte Elias eine Intensivtherapie in unserer Therapieeinrichtung. Seither hat er angefangen zu laufen.









Einschränkungen
- Elias tritt nicht mit der Ferse auf - er geht in einem sogenannten Spitzfußgang. Die Ursache dafür liegt in der beinbetonten spastischen Parese, die mit einer erhöhten Spannung und Schwäche bestimmter Muskelgruppen einhergeht.
- In der Schwungbeinphase ist die Knie- und Hüftbeugung reduziert. Dies erschwert Elias über Hindernisse zu steigen.
- Zusätzlich hat er Schwierigkeiten im Einbeinstand zu stehen. Dies wirkt sich beispielsweise auf Fähigkeiten wie Gehen, Laufen und über Hindernisse steigen aus.
- Aufgrund der spastischen Parese in den Beinen tut sich Elias schwer seine Muskeln schnell zu aktivieren. Dies zeigt sich beispielsweise in einer reduzierten Geschwindigkeit beim Laufen.
Therapieziele
- Verbesserung des Gangbildes
- Am Erfolg der letzten Intensivtherapie, dem Laufen, weiterzuarbeiten.
Therapie
- Bei diversen Übungen im Stehen, auf instabilen Unterlagen wie einem Wackelbrett, konnten das statische Gleichgewicht sowie Aktivitäten des Stand- und Spielbeines, vor allem das Auftreten mit der Ferse, geübt werden.
- Zur isolierten Kräftigung der Beine trainierte Elias auf dem Gangphasentrainer Omego mit der Fahrrad-, Stepper- und Beinpresse-Funktion.
- Die Verbesserung des Gangbildes konnte durch das Training am Gangtrainer Perpedes begünstigt werden.
- Elias liebte es seine Fähigkeiten in Koordination und Schnelligkeit beim Fußballspielen sowie auf der Kletter- und Sprossenwand zu trainieren.
- Das dynamische Gleichgewicht übte Elias immer wieder mit individuell aufgebauten Parcours. Hierbei musste beispielsweise er über Hindernisse steigen, hüpfen, seitlich gehen und einen Ball gezielt werfen, während er mit einem Fuß auf einer Erhöhung oder auf einem Wackelbrett stand.
Erfolge
- Elias konnte am Ende der Intensivtherapie den Fußball schon deutlich fester und zielgerichteter schießen.
- Deutliche Verbesserung beim Werfen und dem gleichzeitigen Stehen auf unsicherem Untergrund. Während er zu Beginn der Woche immer wieder Unterstützung beim Halten des Gleichgewichtes brauchte, schaffte er es am Ende der Woche selbstständig.
- Im Einbeinstand konnte Elias am Ende der Woche schon deutlich stabiler und mit weniger Ausweichbewegungen im Oberkörper für wenige Sekunden stehen. Auch das Knie des Spielbeines hat er am Ende der Woche kontrollierter und weiter nach oben bewegen können.
- Auch die Beinkraft und Geschwindigkeit beim Gehen/Laufen konnten verbessert und durch Anfangs- und Endassessments veranschaulicht werden: + Omego Krafttestung: Beginn 26,1 kg Ende: 28,1 kg + Stand Up and go Test: Mit Spiralorthesen Beginn: 10,9 sec Ende 9,02 sec + Stand Up and go Test: Ohne Spiralorthesen Beginn: 11,21 sec Ende 10,76 sec
Die Intensivtherapie für Elias wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins „Ironroad for Children“ ermöglicht.
Lejla
Die 10-jährige Lejla erlitt im August 2022 einen, durch Entzündungsreaktionen verursachten, akuten Querschnitt mit schlaffer Lähmung der unteren Extremitäten. Die genaue Ursache für diesen Zustand gilt derzeit noch als ungeklärt.











Einschränkungen
Lejla ist mit dem Rollstuhl selbstständig mobil. Bei Lagewechseln aus dem Rollstuhl heraus und hinein braucht sie Unterstützung durch eine Hilfsperson.
Beim Stützen des Oberkörpers mit den Händen, kann sie keinen Druck mit den Füßen in den Boden übernehmen, was ihre Stabilität vermindert.
Sie ist im freien Sitz stabil, aber sehr unsicher. Im Sitzen lehnt sie mehr auf die rechte Seite, wodurch sie in der Wirbelsäule eine Schiefhaltung entwickelt hat.
Sie ist sich bei sämtlichen Transfers und neuen Therapiesetting noch sehr unsicher und braucht viel manuelle und verbale Unterstützung und Bestärkung.
Therapieziele
- Steigerung der Rumpfstabilität
- Aufrichtung der Wirbelsäule im Sitzen
- Schulung der Transfers durch das Erlangen von mehr Sicherheit
- Aufbau muskulärer Aktivität der Unteren Extremitäten
Therapie
- Übungen im Freien Sitzen auf der Therapieliege und auf dem Pezziball zur Steigerung der Rumpfstabilität
- Übungen im Sitzen auf dem Tymo zur Schulung der Körpersymmetrie
- Übungen im Sitzen mit den Füßen auf dem Tymo zum Anbahnen der Belastung der Beine
- Übungen im Balo zur Steigerung der Aufrichtung des Rumpfes und halten der Balance des Oberkörpers im Stehen
- Gangtraining auf PerPedes und Lyra zum Aktivieren der Beinmuskulatur und auch Training der Rumpfstabilität
- Omego zur Aktivierung der Oberschenkelmuskulatur und Schulung der Wahrnehmung der Beine.
Erfolge
Lejla war zum Schluss in der Lage mit Hilfe einer Person selbstständig vom Rollstuhl auf einen Sessel und zurück zu rutschen. Dabei war die Hilfsperson nur dabei und hat beim Stützen über das Rad des Rollstuhls geholfen. Außerdem waren diese Transfers schon dynamischer und schneller möglich.
Insgesamt ist Lejla selbstsicherer geworden und war in der Lage auf einem Pezziball zu sitzen und das Gleichgewicht zu halten, während sie Stützübungen der Hände durchführte. Auch das Spielen mit einem Ball im freien Sitz auf der Therapieliege schaffte sie schon gut. Sie konnte mit Schwung werfen, sich stabilisieren und den Ball gleich wieder fangen.
Auch im Stehen im Stehständer Balo erlangte sie immer mehr Sicherheit und Kraft. Die Oberkörperaufrichtung gelang ihr immer besser und sie war am letzten Tag in der Lage weit aus der Mitte herauszugreifen, um einen Ball mit den Händen zu fangen, aber auch direkt zurück zu pritschen.
Durch Anspannen der Abduktoren brachte sie am Omego Kraft der Beine nach vorne. Durch viele Elektrostimulationsreize war teilweise auch eine Aktivität des Quadriceps tastbar. Diese Aktivität reichte noch nicht für eine Funktion der Kniestreckung aus.
Im Stehen an der Sprossenwand konnte sie am letzten Tag 10 Sekunden stehen und das Becken immer wieder aktiv nach vorne bringen. Dabei brauchte sie Unterstützung bei der Kniestreckung durch eine Therapeutin.
Esther
Die 14-jährige Esther leidet am CRPS (Complex regional pain syndrome), ein kaum erforschtes Syndrom, bei dem eine Person anhaltende starke und schwächende Schmerzen erleidet. Bei Esther ist vor allem der linke Unterschenkel und Fuß betroffen. Zudem konnte sie von einem Tag auf den anderen ihre Beine nicht mehr spüren. Die genaue Ursache ist derzeit nicht geklärt.








Einschränkungen








Einschränkungen
Aufgrund des inkompletten Querschnitt kann Yvonne ihre Beine nur bedingt muskulär bewegen und kann (noch) nicht aufstehen und ist aus diesem Grund auf einen Rollstuhl angewiesen.
Therapieziele
- Beinaktivität steigern
- Rumpfmuskulatur verbessern
Therapie
- Gangtrainer Lyra/PerPedes: Gehtraining mit motorischem Lernen, Bein- und Hüftmuskelaufbau. Sie hatte auch teilweise Muskelkater, was bedeutet, dass sie ihre Muskeln mittlerweile gut ansteuern kann.
- Omego: Beinachsentraining, Verbesserung der Beinstrecker und Beinbeuger
- Balo: Statische (nur am Stand stehen) und dynamisches Stehtraining (stehend in alle Richtungen den Oberkörper bewegen), Fokus auf Rumpf-, Hüft- und Beinmuskulatur
- Pablo: Statische und dynamische Stabilisierung der Rumpf- und vor allem Lendenwirbelsäule. Dies wurde sitzend am Gymnastikball trainiert in einem sicheren Setting, so dass sie nicht umfallen kann. Hierbei wurden lokale (kleine, tiefliegende Muskulatur direkt an der Wirbelsäule) und globale Stabilisationsübungen (peripher liegende Muskulatur) trainiert.
Erfolge
Am Ende der Intensivtherapie hatte Yvonne schon eine viel bessere Rumpfkontrolle und Rumpfmuskelkraft. Sie hatte sogar Muskelkater im Bauch und Rumpf, das bedeutet auch das Yvonnes Muskeln sehr aktiv in der Therapie eingesetzt waren.
Zudem konnte sie so gut mit den Beinen mitmachen, sodass sie auch in der Oberschenkelmuskulatur Muskelkater hatte.
Am Ende der Intensivtherapie konnte Yvonne auch von einer Höhe von 60 Zentimeter an der Sprossenwand aufstehen.
Die Intensivtherapie für Yvonne wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins „freiraum-europa“ ermöglicht.
Lea
Lea ist 19 Jahre alt und hatte vor 3 Jahren eine Hirnblutung und in Folge eine Hemiparese links. In den letzten 3 Jahren seit dem Schlaganfall hat sie unermüdlich trainiert und sich vieles wieder erlernt. Sie spielt wieder Tennis, kann rennen und studiert. Lea ist hochmotiviert ihre Situation zu verbessern, sie übt und übt und übt und kennt kein Stopp.












Einschränkungen
Seit dem Schlaganfall ist Leas linke Körperhälfte eingeschränkt. Vor allem die Feinmotorik und die Kraft im linken Arm sind noch nicht gleich ausgeprägt wie auf der rechten Seite. Zudem ist der linke Arm langsamer, weshalb es sie Anstrengung kostet den Arm im Alltag einzusetzen.
Beim linken Bein ist es ähnlich. Die Kraft ist im Vergleich zum rechten Bein reduziert, das sich im Gangbild durch leichte Ausweichbewegungen bemerkbar macht. Auch ist das Gleichgewicht noch nicht gleich wie auf der nicht betroffenen Seite.
Therapieziele
- Schneller greifen können
- Während des Tennisspielens mit der linken Hand zielen, während der rechte Arm die Vorhand schlägt
Therapie
- Training an der Kletterwand: zur Verbesserung der Armkoordination und der Kraft des linken Armes in diversen Höhen sowie diverse Hand und Unterarmstellungen auf verschiedenen Höhen
- Funktionelles Training: diverse Objekte auf verschiedenen Höhen greifen und transportieren, auch unter Zeitdruck
- Pablo: mit dem Pablo-Sensor wurde spielerisch die Kraftausdauer des linken Armes verbessert. Konkret konnte hier das Zielen auf den Ball trainiert werden.
- Amadeo: diverse Griffe in verschiedenen Unterarmpositionen in verschiedenen Geschwindigkeiten üben
- Diego: Kraftausdauertraining des linken Armes und währenddessen verschiedene Objekte in der Hand stabilisieren und das Zielen üben
- Krafttraining für Arme und Rumpf: Übungen auf der Matte
Erfolge
- Die Fingergeschwindigkeit hat sich in 2 Wochen deutlich verbessert. Sie konnte die Anzahl der Steinchen fast verdoppeln.
Beginn: 13 Blöcke Ende: 24 Blöcke
- Das Ziel: auf den Ball Zielen während des Tennisspiels konnte im Therapiesetting erreicht werden.
- Fugl-Meyer-Test: Wird eingesetzt um den Schweregrad der Erkrankung zu bestimmen, die motorische Erholung zu beschreiben und die Behandlung zu planen und zu beurteilen.
Beginn: 39/66 Ende: 46/66
Die Intensivtherapie für Lea wurde dank einer großzügigen Spende des Vereins „freiraum-europa“ ermöglicht.
Alle Berichte der Kinder & Jugendlichen zeigen, dass die Kombination aus Bewegungs-Intensität, Spaß und spezialisierte Physiotherapeut:innen die besten Rahmenbedingungen schaffen, um Bewegungen wiederzuerlangen und Fortschritte zu erzielen.



